
Meine erste größere Reise mit dem neuen Kastenwagen führte mich im Juli 2025 für 3 Wochen nach Polen. Vor knapp 35 Jahren war ich noch mit dem VW-Bulli erstmals mit ähnlichen Reisezielen in Polen unterwegs.
Die Reise führt mich entlang der polnischen Ostseeküste zu der Masurischen Seenplatte und von dort zurück über Guben mit einem kurzen Zwischenstop im Spreewald wieder nach Hause. Im Juli hatte ich insbesondere an der Ostsee die Hauptsaison erwischt, da die Sommerferien in Polen viele Gäste in diese Region führten.
Eingereist bin ich in Stettin, dem ersten Ziel meiner Reise. Die sehenswerte Innenstadt mit vielen renovierten Baudenkmälern besichtigt und dann Richtung Ostsee gefahren.
Auf kleinen Nebenstraßen fahre ich weiter an die Ostsee, die ich dann nach einem kurzen Spaziergang im Wolinski-Nationalpark auch gefunden habe. Vorher war ich bereits erstaunt, welcher Betrieb hier herrscht. Dies war mir nicht bewusst, dass ich in der Hochsaison hier angekommen war. Jetzt ist aber Zeit für Feierabend und ein schöner Campingplatz muss gefunden werden. Fündig werde ich dann in Pobierowo, In dem gut gefüllten Campingplatz fand sich ein sonniger Platz ganz am Rand des Platzes, sogar mit eigener Terrasse. Ohne Strom (Kastenwagen + 1 Person) zahlte ich etwa 20.- €.
Fast die gesamte Ostseeküste ist eine Vergnügungs-, Fress- und Einkaufsmeile. Ruhige Strandabschnitte zu finden ist schwierig. Das Preisniveau sicherlich niedriger als an den Küstenorten in Deutschland, doch mäßiger Fastfood war kein Schnäppchen. Für die Campingplätze bezahlte ich als autarker Alleinreisender zwischen 12 und 21 € pro Nacht. Ich folgte der Küste weiter Richtung Osten mit Übernachtungen in Pogorzelica, Gaski (Mielno), Dabkowice, Stolpmünde/Ustka, Leba und Lubiatowo.
Nächstes Ziel an der Ostsee ist der Slowinski-Nationalpark bei Leba mit den einmaligen Wanderdünen. Die Lonzker Düne ist fast 50 Meter hoch und wandert jährlich einige Meter ostwärts. Zu Fuss (oder Teilstrecke mit Elektrofrahrzeugen) erreicht man mit vielen Touristen nach 5 km die einmalige Dünenlandschaft - beeindruckend.

Nach der langen Wanderung eine ruhige Nacht am Campingplatz in Leba verbracht. Am nächsten Tag zu einem letzten Stop an der Ostsee bei dem Ort Lubiatowo aufgebrochen und dort einen abseits gelegenen einfachen Campingplatz gefunden, mal ein Platz ohne Trubel zwischen freundlichen polnischen Camperfamilien. Danzig habe ich nicht besucht.
Nach nun 9 Tagen Ostsee bei oft mäßigem Wetter fahre ich weiter Richtung Masurische Seenplatte durch die Kasubische Schweiz und übernachte bei Wdzydzie auf einem Wanderparkplatz. Wenn das Übersetzungsprogramm richtig funktionierte, ist hier das freie Campen für max. 24 Stunden erlaubt, ein polnisches Wohnmobil leistete mir Gesellschaft. Am nächsen Morgen besichtigte ich das dortige Kasubische Freilichtmuseum (Kashubian Ethnographic Park).

Das Museum gibt schöne Einblicke in das frühere Landleben, hat mir sehr gut gefallen. War fast wie bei mir zu Hause (ein Insider-Witz). Da ich gleich bei Öffnung des Museums vor Ort bin, kann ich fast alleine in Ruhe alles ansehen.
Weiter geht es nach Malbork (Marienburg). Die Stadt Marienburg wurde durch die gleichnamige Marienburg (Zamek w Malborku) bekannt, die als das größte Werk der Backsteingotik gilt. Die Burganlage war von 1309 bis 1457 Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und somit „Haupthaus“ und Machtzentrum des Deutschordensstaates. Auch bei meiner Polenreise 1991 kam ich hier schon vorbei.
Nach einer ruhigen Nacht am nahegelegenen Campingplatz am nächsten Tag das Weltkulturerbe mit Audioguide besichtigt.
Nächstes Highlight ist der Oberländische Kanal (Kanał Elbląski), der mehrere Seen in den Masuren miteinander verbindet. Er wurde von 1844 bis 1860 unter der Leitung des königlich preußischen Baurats Georg Steenke aus Königsberg (Preußen) erbaut. Als Besonderheit und heutige Touristenattraktion gelten die fünf Rollberge, auf denen die Schiffe zur Bewältigung des Höhenunterschieds von 99 Metern auf Schienenwagen über Land transportiert werden. Sie sind als Standseilbahnen ausgelegt, die von Wasserrädern angetrieben werden. Echt witzig!

Nächstes Reiseziel ist die Wolfsschanze, ein militärisches Lagezentrum des Führungsstabes der deutschen Wehrmacht. Es war eines der Führerhauptquartiere während des Zweiten Weltkrieges und lag in der Nähe von Rastenburg (heute Kętrzyn) beim Dorf Görlitz (Gierłoż). Die Wolfsschanze wurde ab 1940 oberirdisch errichtet. Zum Schutz gegen Luftaufklärung lag sie in einem dichten Wald unter nichtbrennbaren Tarnnetzen und war mit einem tarnenden Mörtel versehen. Die Anlage umfasste insgesamt ca. 40 Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude sowie sieben massive und 40 leichte Stahlbetonbunker. Die Decken der Bunker waren sechs bis acht Meter dick.Adolf Hitler verbrachte während des Zweiten Weltkriegs auf der Wolfsschanze mit über 800 Tagen mehr Zeit als an jedem anderen Ort. Hier verübte Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 den gescheiterten Sprengstoffanschlag auf Hitler. Als im Januar 1945 die Rote Armee anrückte, wurden alle Objekte von der zurückweichenden Wehrmacht gesprengt.
Nach der Besichtigung ein Stückchen weiter in Mamerki, am Westufer des Mauersee (Mamry) in einer Marina mit Campingplatz genächtigt. Am nächsten Tag die dortige, nicht gesprengte, Bunkeranlage aus dem 3. Reich angeschaut und dann durch die Seenlandschaft weiter nach Mikolajki auf den dortigen Campingplatz gefahren.
Die Ortschaft Mikolajki gilt als das reizendes Zentrum der Masuren. An diesen Ort, der sich am Talter Gewässer, einem langgestreckten Arm des Śniardwy (Spirdingsees), des größten masurischen Sees, befindet, konnte ich mich noch gut erinnern. Heute ein beliebter Touristenort mit einer netten Promenade, einigen Hotels und zahlreichen touristischen Attraktionen.

Auf der Weiterfahrt über Nebenstraßen wieder Richtung Westen einen schönen Platz am Camping in Dluzek direkt am See ergattert. Hier viele polnische Dauercamper, die ihre Ferien im Lande verbringen.
Die Stadt Torun an der Weichsel ist mein nächstes Ziel. Toruń gehört zu den ältesten und schönsten Städten in Polen und wurde von Mitgliedern des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert an der Weichsel (Wisła) gegründet. Die gotische Altstadt ist seit 1997 UNESCO-Welterbe. Einen unspektakulären Stellplatz in der Stadt (12.- €) angefahren und die sehenswerte Altstadt besichtigt.
Auch am Abend noch viel Betrieb in der Stadt, schöner Stadtbummel. Und diesmal eine wirklich leckere Pizza und ein tschechisches dunkles Bier (Kozel) für 10.- €.
Nächstes Ziel ist Posen (Poznan) mit einem ebenfalls schön renovierten Altstadtzentrum.
Nächster Übernachtungsplatz ist der Ort Wolsztyn. Wolsztyn liegt etwa 75 Kilometer südwestlich von Posen und ist umgeben von zwei Seen, dem Jezioro Wolsztyńskie (Wollsteiner See) und dem Jezioro Berzyńskie (Berzyner See). Dort im Kiefernwald ein ruhiger Campingplatz. Am nächsten Morgen das dortige Bahnbetriebswerk (Dampflokomotiven) und das kleine Freilichtmuseum besichtigt.
Über Zielona Gora geht es weiter Richtung Guben (Gubin), der Grenzstadt zu Brandenburg an der Neiße. Letze Übernachtung in dem Dorf Stary Zagor, etwa 25 km vor der Grenze, auf einem gepflegten kleinen Campingplatz direkt am Fluss Bóbr. Wieder schönes Wetter und deutsche Angler getroffen.
Über Guben zurück nach Deutschland und nach einem 2-tägigen Stop im Spreewald und Besuch bei Freunden in Lübbenau endet die erste Reise mit dem neuen Wohnmobil nach 22 Tagen und ca. 2800 gefahrenen Kilometern.
